Preisträger 2006: René Pollesch
„Cappuccetto Rosso“ - Volksbühne Berlin/Salzburger Festspiele, Foto: Thomas Aurin
Preisträger 2002: Elfriede Jelinek
„Macht Nichts“ - Schauspielhaus Zürich, Foto: Leonard Zubler
Preisträger 2005: Lukas Bärfuss
„Der Bus (Das Zeug einer Heiligen)“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2016: Wolfram Höll
„Drei sind wir“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2004: Elfriede Jelinek
 „Das Werk“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Christian Brachwitz
Preisträger 2015: Ewald Palmetshofer
„die unverheiratete“ - Burgtheater im Akademietheater, Wien, Foto: Georg Soulek
Preisträgerin 2009: Elfriede Jelinek
„Rechnitz (Der Würgeengel)“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Arno Declair
Preisträger 2014: Wolfram Höll
„Und dann“ - Schauspiel Leipzig, Foto: Rolf Arnold
Preisträger 2003: Fritz Kater
 „zeit zu lieben zeit zu sterben“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträgerin 2008: Dea Loher
„Das letzte Feuer“ - Thalia Theater Hamburg, Foto: Arno Declair
Preisträger 2010: Roland Schimmelpfennig
„Der goldene Drache“ - Burgtheater Wien, Foto: Reinhard Werner
Preisträgerin 2013: Katja Brunner
„Von den Beinen zu kurz“ - Schauspiel Hannover, Foto: Katrin Ribbe
Preisträger 2012: Peter Handke
„Immer noch Sturm“ - Thalia Theater Hamburg/Salzburger Festspiele, Foto: Armin Smailovic
Preisträger 2007: Helgard Haug & Daniel Wetzel, Rimini Protokoll
„Karl Marx: Das Kapital, Erster Band“ - Düsseldorfer Schauspielhaus, Foto: Sebastian Hoppe
Preisträgerin 2017: Anne Lepper
„Mädchen in Not“ - Nationaltheater Mannheim, Foto: Christian Kleiner
Preisträgerin 2011: Elfriede Jelinek
„Winterreise“ - Münchner Kammerspiele, Foto: Julian Röder
Publikumsgespräch

Gruppenkur

Wenn der Schmalz da ist, dann wird das „Stücke“-Festival ein bisschen lockerer. Dann wird sogar während des Publikumsgesprächs nach der Aufführung „gethermt“ und über schmalzige Sprachbrocken geredet. Blog-Autorin Natalie Broschat über die Schmalzkussion.

Die Schauspieler kommen viel zu spät. Dabei wollte Michael Laages doch dem betagten Schauspieler Siggi Schwientek zum gelungenen Felgaufschwung während der Aufführung gratulieren. Ist nicht weiter schlimm, denn der Moderator spricht einfach schon mal mit Regie, Dramaturgie, Bühnenbild und Autor, namentlich Barbara Falter, Gwendolyne Melchinger, Dominik Freynschlag und Ferdinand Schmalz. Für Letzteren war „der thermale widerstand“ eine Auftragsarbeit des Zürcher Schauspielhauses zum Thema Widerstand. Alle Beteiligten haben sich eingehend mit dem illustrierten Skandalbuch „Der totale Widerstand“ von Hans von Dach beschäftigt, der den totalen Untertitel „Kleinkriegsanleitung für Jedermann“ trägt. Darin werden aufständische Methoden verhandelt, wie beispielsweise das Abmontieren von Schildern, um Bürger in die Irre zu führen. Nicht verwunderlich also, dass das Buch noch immer auf dem Index steht.

Amüsant auch nach der Show

Die ersten Schauspieler stolpern dazu. Fritz Fenne, im gestreiften T-Shirt, macht den Anfang und stößt fast die Stuhlreihe um, so wenig Platz gibt es hinter dem großen Podiumstisch. Nacheinander laufen auch die anderen ein, frisch aus dem thermalen Kurbad, mit Plastiktüten oder Fahrradhelmen in den Händen. Siggi Schwientek bekommt endlich sein Lob für den Felgaufschwung. Durch den habe man sich sehr viel Zeit gespart, denn auf den oberen Bademeistersitz des Bühnenbilds zu klettern, hätte Zeit gekostet. „Sehr viel Zeit. Deswegen habe ich mich daran erinnert, was ich mal vor 50 Jahren im Sportunterricht gelernt habe.“ Applaus, Applaus. Der nächste komische Zwischenfall kommt sofort, denn die Namensschilder von Lena Schwarz und Klaus Brömmelmeier passen nicht, sind vertauscht. Auch egal. Jirka Zett und Dagna Litzenberger Vinet sitzen an der linken Seite etwas verstummt auf ihren Plätzen, hoffentlich nicht verstimmt, vielleicht haben sie zu viel gethermt oder aber zu viel Widerstand geleistet.

Kurbad und Sabotage

Als sich die Ankunft der Schauspieler erledigt hat und alles etwas ruhiger geworden ist, kann weiter ernsthaft über Theater geredet werden. Wie hat man sich denn vorbereitet? Sie seien alle zusammen an einen thermalen Kurort gefahren und haben es sich richtig gut gehen lassen. Der Darsteller des widerständigen Bademeisters Hannes, Jirka Zett, habe als Vorbereitung sogar die Kleinkriegsanleitungen von Hans von Dach angewandt und in Zürich eben Schilder abmontiert und Bahnen umgeleitet. „Das war natürlich wenig zielführend, weil so niemand zur Probe kam.“ Spaß beiseite. Man redet natürlich darüber, wie herausfordernd diese besondere Sprache des genau mittig sitzenden Autors ist. Eine Rhythmisierung der Sprache mit eigenem Flow und vielen Jamben sei das, deswegen auch „viel Arbeit“. Analog könne Schmalz seine Texte keinesfalls schreiben, „da würde ein Blatt Papier wie ein Schlachtfeld aussehen“. Die Schauspieler müssten also bis zum „Schmalz’schen Sprachgrund“ tauchen, ihn durchdringen, bis sie die „riesigen Sprachbrocken“ erledigt und diese „geschnürten Sprachpakete“ entfesselt hätten. Deswegen sei Souffleuse Rita von Horváth so wichtig, die das Zürcher Ensemble auch liebevoll „Dompteuse“ nennt. Während der Vorstellung wurde sie gebraucht, zweimal sogar. Ob das nun an der schmalzigen Sprache oder daran liegt, dass das Ensemble „der thermale widerstand“ ein dreiviertel Jahr nicht gespielt hatte, sei dahingestellt.

Jedenfalls ist die Atmosphäre und die Stimmung im Ringlokschuppen gut. Das Podest, auf dem Ensemble und alle Beteiligten sitzen, ist keines, was bis in den Theaterhimmel reicht, wie das in der Stadthalle der Fall ist. Die Redenden sind der Erde und dem gemeinen Volk näher. Das Gespräch war ein informatives, doch vor allem entspanntes, ein Kur-Gespräch, eine Gruppen-Kur im thermalen Ringlokschuppen sozusagen.

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