Alltag & Ekstase

von Rebekka Kricheldorf
Deutsches Theater Berlin
 

Ob die Mount-Everest-Besteigung im Kosmonauten-Anzug, das Herbeitanzen neuguinesischer Stammesrituale oder die Biomöhrenernte vorm eigenen Öko-Haus: Mit den Trendangeboten des Selbstverwirklichungsbusiness´ kennt sich Rebekka Kricheldorfs Personal bestens aus. Damit allerdings, dass sich die gute alte Ego-Befreiung zusehends zum Selbstoptimierungsterror mausert, der dem Zeitgenossen sein Glück bis ins ideale „Ficktempo“ oder das lebensverlängerndste Meeresalgen-Frühstück hinein aufzwingen will, kommen nicht alle Figuren so gut klar wie die Altachtundsechziger Sigrun und Günter. Schon ihr Sohn Janne - entsprechend erfolgloser Vertreter der Generation Ich-AG - verweigert sich in alarmierender Verstocktheit der basalen elterlichen Kommunikationsregel, die da lautet: „Schweigen ist die Mutter der Neurose; das Nichtbenannte ist das Saatgut der Gewalt.“ Und Jannes Tochter River – als stumme Repräsentantin der dritten Generation ein dickes Kind in himmelschreiendem Rosa – geht sogar noch weiter und entzieht sich neben dem Mitteilungs- auch jedwedem Attraktivitäts- oder anderweitigen Leistungsdiktat. Mit Verve bedient sich Rebekka Kricheldorf im reichen Stereotypen-Baukasten der omnipräsenten Ich-Optimierer: Kein Klischee, das sie nicht pointiert auf die Spitze triebe und hochnotkomisch gegen sich selbst wendete. Denn als Kricheldorfs Egomanen Besuch von einem veritablen Selbstentfremdungsfan bekommen, dem es augenscheinlich fantastisch geht in seinem Außersichsein, finden sie sich nicht nur in argen Erklärungsnöten wieder, sondern in der schönsten Eskalations- und (Ego-)Dekonstruktions-Dramaturgie.

Christine Wahl

 

Uraufführung am 17.01.2014, Deutsches Theater Berlin

 

Mit: Judith Hofmann, Nermina Jovanovic / Zoë Seelig, Franziska Machens, Harald Baumgartner, Jannek Petri, Thomas Schumacher

Regie: Daniela Löffner
Bühne: Claudia Kalinski
Kostüme: Sabine Thoss
Dramaturgie: Ulrich Beck
Licht: Marco Scherle

 

Aufführungsdauer: 2 Stunden, keine Pause
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertriebs GmbH, Berlin

Stückabdruck in Theater heute, Heft 3/2014
 

www.deutschestheater.de

 

Alltag & Ekstase  ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen.

 

Rebekka Kricheldorf über "Alltag & Ekstase"
"Der Autor hat das Recht, hinter seinem Text zu verschwinden"

Alle Filme von Max Büch und Alexander Viktorin


 

Rebekka Kricheldorf

Geboren 1974 in Freiburg im Breisgau.
Rebekka Kricheldorf studierte zunächst Romanistik an der Humboldt-Universität Berlin. Von 1998 bis 2002 belegte sie den Studiengang Szenisches Schreiben an der UdK Berlin. Sie schrieb Auftragswerke für das Staatstheater Stuttgart, das Theater am Neumarkt in Zürich, das Staatstheater Kassel und das Deutsche Theater Berlin. 2004 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim, von 2009 bis 2011 war sie Dramaturgin, Hausautorin und Mitglied der Künstlerischen Leitung am Theaterhaus Jena. Rebekka Kricheldorf lebt als freie Autorin in Berlin.
 

Stücke
Prinzessin Nicoletta. Ein Märchen für Erwachsene
UA 8.3.2003, Stadttheater Gießen, Regie: Peter Hailer
Kriegerfleisch UA 24.1.2004, Städtische Bühnen Münster, Regie: Thomas Bockelmann
Die Ballade vom Nadelbaumkiller UA 18.5.2004, Staatstheater Stuttgart, Regie: Erich Sidler – „Stücke '05“
Floreana UA 20.5.2004, Theater am Neumarkt, Zürich, Regie: Crescentia Dünsser
Schneckenportrait UA 16.9.2005, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Nina Gühlstorff
Rosa und Blanca UA 13.1.2006, Staatstheater Kassel, Regie: Thomas Bockelmann
Landors Phantomtod UA 23.2.2006, Nationaltheater Mannheim, Regie: Stephanie Mohr
Liebesdienst (Vier von Vierzigtausend) UA 15.6.2006, Theater Halle 7 München, Regie: Oliver Zimmer
Hotel Disparu UA 13.9.2006, Theater am Neumarkt, Zürich, Regie: Ingo Kerkhof / Erich Sidler
Neues Glück mit totem Model UA 20.12.2007, Staatsschauspiel Dresden, Regie: Markus Heinzelmann
Der Kopf des Biografen UA 23.1.2009, Städtische Bühnen Osnabrück, Regie: Nina Gühlstorff
Das Ding aus dem Meer UA 13.3.2009, Staatstheater Kassel, Regie: Thomas Bockelmann
Mechanische Tiere UA 16.5.2009, Stadttheater Bern (Autorenspektakel), Regie: Phil Hayes
Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage UA 15.10.2009, Theaterhaus Jena, Regie: Markus Heinzelmann
Robert Redfords Hände selig UA 3.10.2010, Staatstheater Kassel, Regie: SchirinKhodadadian
Gotham City I – das Stück. Eine Stadt sucht ihren Helden UA 14.10.2010, Theaterhaus Jena, Regie: Markus Heinzelmann
Murders Ballade nach Nick Cave UA 12.2.2011, Stadttheater Bern, Regie: Erich Sidler
Der große Gatsby UA 13.1.2012, Deutsches Schauspielhaus Hamburg, Regie: Markus Heinzelmann
Testosteron UA 23.11.2012, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
Lysistrata UA 8.2.2013, Theater Osnabrück, Regie: Marie Bues
Das kalte Herz UA 18.5.2013, Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, Regie: Erich Sidler
Sergeant Superpower rettet Amerika UA 12.10.2013, Theater Heidelberg, Regie: Erich Sidler
Alltag & Ekstase UA 18.1.2014, Deutsches Theater Berlin, Regie: Daniela Löffner – „Stücke 2014“
Homo Empathicus UA 3.10.2014, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler – „Stücke
2015“
Die Kunst der Selbstabschaffung UA 15.2.2015, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
In der Fremde UA 20.11.2015, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler
Das blaue Licht / Dienen UA 10.2.2017, Staatstheater Kassel, Regie: Schirin Khodadadian
Don Quijote nach Miguel de Cervantes UA 13.5.2017, Theater Osnabrück, Regie: Annette Pullen
Fräulein Agnes UA 22.9.2017, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Erich Sidler – „Stücke 2018“

E-Books (Alle E-Books sind bei Kiepenheuer Medien, Berlin, erschienen)
2013 Alltag & Ekstase
2013 Der große Gatsby
2014 Die Kunst der Selbstabschaffung
2014 Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage
2015 In der Fremde
2017 Das blaue Licht / Dienen
2017 Fräulein Agnes

Auszeichnungen und Preise
2002 Verlegerpreis und Preis des Publikums beim Heidelberger Stückemarkt für Prinzessin Nicoletta: Ein Märchen für Erwachsene
2003 Kleist-Förderpreis für Kriegerfleisch
2004 Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg
2010 Kasseler Förderpreis für Komische Literatur