Ohne Moos nix los

Ohne Moos nix los / Foto: David Baltzer/Bildbühne
9+
2 Stunden, eine Pause



„Die 11-jährige Jule lebt mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder in ökonomisch schwierigen Verhältnissen. Die Mutter schafft es gerade so, die Familie über die Runden zu bringen. Aber für die Kinder bleibt keine Zeit und schon gar kein Geld für gemeinsame Unternehmungen. Der Mangel ist Programm und führt dazu, dass Jule auch von ihren Mitschülern ausgegrenzt wird und keine Freunde hat. So zieht sie alleine durch die Stadt und denkt sich immer wieder Geschichten für vorbeieilende Passanten aus, die sie dann stundenlang beschattet. Dabei lernt sie zufällig Lukas kennen, der aus einem behüteten Elternhaus kommt. Die beiden freunden sich an und gehen nun gemeinsam auf 'Verfolgungsjagd'. Dabei kommen sie zufällig einer Bande von Fahrraddieben auf die Spur. Jörg Isermeyer fächert hier sehr differenziert die Folgen von Kinderarmut und prekären Lebenssituationen auf. Und er zeigt, dass es, neben dem Mangel an materiellen Dingen, vor allem an Zuwendung und Fürsorge fehlt. Es ist ihm auf beeindruckende Weise gelungen, die Komplexität des Themas in einer spannenden Geschichte und mit einem sicheren Gespür für Situationskomik zu verdichten. Und das, ohne allzu simple Lösungen anbieten zu wollen. Die Vielschichtigkeit mancher Figuren ist sicherlich auch ein Verdienst von Yüksel Yolcu (Regie), der gekonnt die Amplituden der Figuren auslotet. So entstehen ungewohnte Momente höchster Aggressivität oder atemloser Stille.“
Werner Mink

Uraufführung: 
am 27.10.2010

Mit: Sebastian Achilles, Christian Giese, Katja Hiller, Regine Seidler, Roland Wolf, Necati T. Şeren (Gitarre)
Regie: Yüksel Yolcu
Musik: Paul Brody und Necati T. Şeren
Choreografie: Ricardo De-Paula
Bühne: Ulv Jakobsen
Kostüme: Gabriella Ausonio

In einer Fassung des GRIPS Theaters Berlin