Dreier steht Kopf

© Katrin Schander
40 Minuten, keine Pause



EINER und ZWEIER führen ein geordnetes Leben. Die Zwei folgt auf die Eins, die Eins ist IMMER der Erste. Das gibt beiden Sicherheit und Orientierung. Denn die Abläufe sind bekannt und vorhersehbar, nichts bleibt dem Zufall überlassen. Da passiert nichts Unerwartetes, kein Durcheinander. Aber das macht ihr Leben auf Dauer auch ziemlich trist und langweilig. Insgeheim träumen sie immer wieder davon, aus der gegebenen Ordnung auszubrechen. Doch dazu fehlt ihnen der Mut. Zum Glück gibt es da noch DREIER. Der widersetzt sich den Regeln und bringt dadurch etwas in Bewegung. Und plötzlich steht die Welt Kopf. Was nun?
Carsten Brandau beschreibt sehr verdichtet und szenisch reduziert, aber dafür sehr genau, die Mechanismen von festgefügten Ordnungen. Sie unterdrücken, bevormunden, grenzen aus, machen unfrei, sind oft hinderlich und wecken Widerstand. Und sie provozieren Fragen nach Identität: Wer bin ich? Und: Will ich das sein?
Faszinierend ist, wie der Text immer wieder Türen für neue Gedankenspiele und Deutungen öffnet. Indiz für die Vielschichtigkeit des Themas. Brandau erfindet dazu eine höchst originelle Kunstsprache. Diese ist überaus spielerisch, voller Humor und verleiht auch den Figuren eine hohe Plastizität. Da ist der Pedant, der streng auf die Einhaltung der Regeln achtet, der Servile, der sich ängstlich dem Pedanten unterordnet und der Forsche, der schließlich das Ordnungsgefüge ins Wanken bringt.
Ein philosophisches Stück für Klein und Groß in einer kunstvollen, präzisen und kurzweiligen Inszenierung.
Werner Mink

Uraufführung: 
am 13.06.2014

Mit: Günther Henne, Uta Nawrath, Oliver Kai Mueller
Regie : Rob Vriens
Dramaturgie: Susanne Freiling