Gesine Schmidt

Foto von Jochen Klenk
1966 in Köln geboren
Studium der Komparatistik und Theaterwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum.
Erste Theaterarbeiten als Regieassistentin am Theater der Stadt Duisburg und Theater Oberhausen. Es folgten Engagements am Schauspiel Essen als Dramaturgieassistentin und am Schauspiel Frankfurt als Dramaturgin. 2000 - 2002 Badisches Staatstheater Karlsruhe. 2001 - 2003 Lehraufträge an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe. 2003/04 Engagement am Berliner Ensemble. Seit 2004 Dramaturgin am Maxim Gorki Theater, Berlin.
 

Der Kick

von Andreas Veiel und Gesine Schmidt

Stücke 2006

Theater Basel / Maxim Gorki Theater Berlin

Nachlass Wilfried Böing
Andres Veiel und Gesine Schmidt haben sich für "Der Kick" auf den Weg nach Potzlow gemacht, jenes trostlose brandenburgische Kaff, in dem man schon lange nicht mehr die Arbeitslosen zählt, sondern die wenigen anderen, die noch Beschäftigung haben. Wie konnten dort ein paar besoffene Freunde einen der ihren stundenlang demütigen, ausdauernd quälen, bis sie ihm schließlich unter rechtsradikalen Sprüchen in mehreren Anläufen den Schädel zertrümmern? Saufen sich die brandenburgischen Jugendlichen die Birne breit, bis sie mit den paar verbliebenen Hirnzellen auf angemessen beschränktes, ausländerfeindliches Gedanken-gut hereinfallen? Oder hält man den Stumpfsinn der Chancenlosigkeit nur aus, wenn man sich den Kopf auf die Höhe der Situation heruntertrinkt?
Man könnte sich die Sache wie erwähnt einfach machen, von "Unterschichten" sprechen und die Sache ad acta legen. Sollen sich die Leute doch totsaufen, dies ist ein halb-wegs freies Land, und der Rest ein Fall für die Gerichte. Andres Veiel und Gesine Schmidt sagen das nicht und sie sagen auch sonst nichts. Sondern lassen die anderen reden, bis man sie versteht. Das Theater stößt dabei schnell an eine Grenze. Denn sobald aufgeklärte, gebildete, intelligente Schauspieler mehr tun, als ihre Doku-Rollen vorzuweisen, falls sie in die Einfühlungs-Falle gehen und sich huldvoll herabverwandeln, droht die Sozialschnulze. Glaubwürdige Aufklärung gibt es in Potzlow nur um einen Preis: Dass man draußen bleibt. Auch als Künstler.
Franz Wille

Regie: Andres Veiel
Bühne und Kostüme: Julia Kaschlinski

Mit:
Susanne-Marie Wrage
Markus Lerch

Uraufführung am 23.04.2005 am Theater Basel
Aufführungsrechte: S. Fischer Verlag Theater & Medien, Frankfurt am Main

Nachlass Wilfried Böing
Nachlass Wilfried Böing

 

Veiel, Andres

Foto von Harry Schnitger/TIP
geb. 1959 in Stuttgart, Studierte Psychologie (abgeschlossen) und absolvierte parallel von 1985 bis 1989 eine Regie- und Dramaturgieausbildung im Rahmen der internationalen Regieseminare am Künstlerhaus Bethanien in Berlin unter Leitung des polnischen Regisseurs Kieslowski. Seitdem eigene Drehbücher und Filme fürs Kino, zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, u. a. Konrad-Wolf-Preis 2005 der Akademie der Künste Berlin für das Gesamtwerk, Hauptpreis zur Förderung der Deutschen Filmkunst der DEFA Stiftung 2006. Seit 1996 verschiedene Lehraufträge, u.a. an der FU Berlin, dffb Berlin, HFF Potsdam, Universität Zürich. Mitglied der Europäischen sowie der Deutschen Filmakademie
 

 

Der Kick
Schmidt, Gesine