Veranstaltung:
Datum und Zeit:
Mittwoch, 15. Juli 2026 - 18:00
Mit dem Projekt Zuhören entwickeln das soziokulturelle Kunsthaus Makroscope, die Gruppe Ruhrorter sowie das Theater an der Ruhr ein Kooperationsprojekt. Ein partizipatives Klang- und Begegnungsformat, das auf die zunehmende Schließung kirchlicher Gemeinschaftsräume reagiert und nach Verlusten und utopischen Chancen darin fragt. Das Projekt findet im Kontext des Programms der nomadischen Kunst- und Architekturbiennale Manifesta 16+ statt.
Ausgangspunkt ist die Aufgabe von St. Engelbert durch die Gemeinde in Mülheim-Eppinghofen. Für eine Übergangszeit wird die Arbeiter:innenkirche, die Neogotik mit gestalterischen Prinzipien des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg vereint, zu einem Ort, an dem Zuhören als soziale Praxis explizit wird. Auf die Frage nach zukünftigen Nutzungsweisen folgen erschwerende Gründe: Einsamkeit, die finanziell angespannte Lage der Stadt, die Alterung der Gesellschaft. Damit einher gehen aber auch Wünsche nach alten und neuen Formen von Gemeinschaft, geteilter Fürsorge und kollektiver Imagination. Mittels Interviews, Field-Recordings und Chorgesängen geht das Projekt all dem nach und bringt an fünf Tagen im Juli ein lebendiges Stimmenarchiv in der Kirche zur Aufführung. So entsteht ein Resonanzraum, der sich aus den Stimmen der Nachbar:innenschaft speist und das Zuhören als Voraussetzung für ein gemeinsames Sprechen modellhaft erfahrbar macht.
15. Juli – Teil 1: Was ist heute ein Kirchenraum?
Zum Auftakt von Zuhören begrüßen wir das Publikum in St. Engelbert und laden dazu ein, den ersten von vier Teilen unseres gleichnamigen Hörspiels zu hören, der zunächst vermisst, wo wir uns überhaupt befinden. Ein Spiel aus Stimmen, die von den Anfängen der Kirche erzählen, aber auch von Orten, die sich gerade verwandeln. Es geht um Rituale der Versammlung, ihre Klänge und Räume und um den Alltag und die Frage, was Kirche noch sein kann. Im Anschluss daran hören wir den Experimentalchor Γλωσσα („Glossa“), der uns in überraschende und zuweilen befremdliche Zwischenräume des Gesagten führt.
16. Juli – Teil 2: Einsamkeit
Der zweite Teil unseres Hörspiels versammelt Erzählungen und Gedanken zum Alleinsein heute, mitten im Stadtteil. Es geht um leise und unbeobachtete Routinen sowie fehlende Anlässe, die mit dem zunehmenden Verschwinden öffentlicher Räume zusammenhängen. Aber auch um zarte Strategien, die durch lange Tage helfen können. Im Anschluss laden wir ein, zu geselligem Beisammensein mit Essen und Gesprächen.
17. Juli – Teil 3: Gemeinschaften
Im dritten Teil des Hörspiels geht es um Gemeinschaft als etwas, das gemacht wird: durch geteilte Verantwortung, Aushandlungen und unbedingt auch Konflikte. In Zeiten, in denen traditionelle Formen von Gemeinschaft an Verbindlichkeit verlieren, stellt sich die Frage, welche Modelle von Zusammenhalt und -leben wir heute eigentlich wollen und wo diese bereits erprobt werden. Wie sehen die Räume dieser neuen Gemeinschaftsformen aus, was brauchen sie? Ergänzend zum Hörspiel wird es musikalische Auftritte der beiden Kirchenchöre „Canticum Novum“ und „Cantate Domino“ sowie der Instrumentalist*innengruppe geben.
18. Juli – Teil 4: Stadt, Kirche, Geld
Bevor wir den vierten Teil unseres Hörspiels hören, laden wir die Nachbar*innen zu einem gemeinsamen Picknick auf die Wiese rund um St. Engelbert ein. Das Hörspiel schaut dann auf die Strukturen, die die städtische Politik beeinflussen. Gerade in einer Stadt wie Mülheim an der Ruhr, die wegen hoher Verbindlichkeiten kreative Lösungen sucht, um das öffentliche Leben und die dafür benötigten Räume zu unterhalten. Zu hören sind Perspektiven aus Verwaltung, Kirche und Alltag, die zeigen, wie Lösungen unter angespannter Haushaltslage politisch zustande kommen. Im Anschluss gibt es erneut ein Konzert von Γλωσσα („Glossa“), einem Ensemble und Laborraum für die menschliche Stimme sowie die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Open Mic zu den angesprochenen Themen zu äußern.
19. Juli – Abschluss
Der Abschluss von Zuhören beginnt mit einem Orgelkonzert. Im Anschluss nehmen wir zentrale Motive aus den verschiedenen Teilen des Hörspiels nochmal auf. Was hat uns der Kirchenraum erzählt, wo zeigt sich Einsamkeit, welche Gemeinschaften sind realistisch und welche Rolle spielen finanzielle Ressourcen dabei? Ein Runder Tisch bündelt Stimmen und Fragen aus dem Stadtteil dazu und blickt in die Zukunft. Was kann weitergehen, wer übernimmt, und wie bleibt Zuhören als Praxis im Stadtteil präsent? Es werden lokale Akteur*innen eingeladen, die an den Entwicklungen im Stadtteil Eppinghofen bereits teilhaben oder in Zukunft teilhaben wollen.
Team: Steffen Börgmann, Max Brands, Kara Handgraaf, Ole-Kristian Heyer, Elisa Kühnl, Franziska Schneeberger, Wanja van Suntum, Lina Wübbenhorst
Der Eintritt zu allen Manifesta-Orten ist frei.
Veranstaltungsort ist die Kirche St. Engelbert in der Engelbertusstraße 47, 45473 Mülheim an der Ruhr.
Ein Projekt von Makroscope e.V., Theater an der Ruhr und RUHRORTER im Rahmen der Manifesta 16+ mit freundlicher Unterstützung von Freunde des Theater an der Ruhr e.V..
Kategorie:
Theater
