GUTE NACHT am 04.09.2026

4. September 2026
11:00 bis 18:00
Kunst / Kreatives
findet statt
GUTE NACHT


MÄRCHEN · MYTHEN · GEISTER · PHANTASMEN

Mit Werken aus der Sammlung von: Jim Dine, Klaus Florian, FRANEK, Uwe Henneken, David Hockney, Lubo Laco, Andrea Lehmann, Emil Nolde, Dore O., Anne Peters, URSULA.

Special Guests: Daniele Cudini & Matthias Lahme.

19. Juli bis 8. November 2026

„Gute Nacht“ – das klingt scheinbar nach Wärmflasche, Schlummerlicht und beruhigendem Geborgensein.

Doch Vorsicht! Die Nacht ist kein Streichelzoo. Kaum erlischt das Licht, werden Konturen porös, Sicherheiten weich und das Unterbewusste meldet sich vehement zu Wort. Denn wo es dunkel wird, haben sie ihren großen Auftritt, sie, die Märchenfiguren mit zweifelhaftem Moralverständnis, die Mythen mit Hang zur Übertreibung, die Geister mit schlechtem Timing und die Phantasmen, die sich nicht entscheiden können, ob sie Einbildung oder Erscheinung sind. Sie alle bevölkern jene Zwischenräume, in denen unsere Vernunft eine Pause macht und die Vorstellungskraft zu blühendem Leben erwacht.

Märchen erzählen von Verwandlungen, davon, dass Identität nichts Festes ist, sondern eher ein Kostümfundus mit unklarer Garderobenordnung.

Mythen liefern die großen existenziellen Dramen über Macht, Hybris, Absturz und Wiederkehr. Sie beweisen, dass sich die Menschheit seit Jahrtausenden mit denselben Fragen herumschlägt – nur in wechselnden Outfits.

Phantasmen treiben es noch raffinierter. Sie sind halb Gedanke, halb Bild, ganz Irritation. Kaum meint man, sie fest im Blick zu haben, kippt die Perspektive – und das vermeintlich Vertraute zeigt Zähne. Schatten lösen sich vom Körper, Linien werden zu Fratzen, Strukturen beginnen zu flirren.

Wer schaut hier eigentlich wen an?

Auch Geister sind keine staubigen Spukgestalten. Sie sind hartnäckige Wiedergänger des Verdrängten, Echos alter Geschichten, Störungen im System. Sie tauchen dort auf, wo etwas nicht abgeschlossen ist – in uns, zwischen uns, um uns herum.

Die Ausstellung „Gute Nacht“ nimmt das Fantastische ernst – und gleichzeitig nicht beim Wort. Sie versteht Märchen, Mythen, Geister und Phantasmen als Denkmodelle mit Biss, als elegante Sabotageakte gegen allzu glatte – meist medial getriggerte – Wirklichkeiten. Hier darf das Unheimliche verführen, das Abgründige funkeln und das Ambivalente fröhlich seine Kreise ziehen.

Also: Gute Nacht, schlafen Sie ruhig. Oder bleiben Sie wach, es könnte interessant werden, da die Ausstellung Sie nicht sanft in das Reich der süßen Träume wiegt, sondern die Komfortzone des eindeutig Erklärbaren charmant ins Wanken bringt. Märchen, Mythen, Geister und Phantasmen werden hier nicht als nostalgische Spukgestalten präsentiert, sondern als hochaktuelle Störenfriede. Sie mischen sich in unsere Vorstellungen von Identität, von Wahrheit, von Wirklichkeit ein.

Die Ausstellung lädt dazu ein, das Unklare nicht sofort auflösen zu wollen. Sie versteht das Fantastische als Erkenntnisinstrument, als Möglichkeit, das Verdrängte sichtbar zu machen, lineare Erzählungen zu unterbrechen und scheinbar stabile Ordnungen zu befragen.

Es geht um Risse im System, um die Lust an der Ambivalenz und um die produktive Verunsicherung. Die Sammlungspräsentation möchte nicht erklären, wie die Welt ist. Sie möchte zeigen, wo sie flackert.


Tickets
Synagogenplatz 1
45468
Mülheim an der Ruhr
Veranstalter
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Weiterführende Informationen
Veranstaltung: 
Datum und Zeit: 
Freitag, 4. September 2026 - 11:00 bis 18:00
Kategorie: 
Ausstellung
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