Vom verheerenden Trauma des Holocaust bis hin zur autoritären Herrschaft des Kommunismus entfaltet László Nemes’ neuester Film eine Konfrontation mit Identität, Erinnerung und dem fragilen Prozess, zu sich selbst zu finden.
Über „Andor Hirsch“
Ein zwölfjähriger jüdischer Junge, der im Zweiten Weltkrieg von seiner Mutter getrennt wurde, lebt in den 1950er-Jahren wieder mit ihr in Budapest; von seinem Vater weiß er nur, dass dieser im Holocaust ermordet wurde. Dann aber taucht ein Mann auf, der während des Kriegs die Mutter versteckte und der leibliche Vater des Jungen sein könnte. Der vierschrötige Metzger ist dem Jungen aber ein Gräuel, und so entfaltet sich ein quälendes Ringen. Das in Sepiatönen gehaltene Drama verbindet eine individuelle Identitätssuche mit fortwirkendem Antisemitismus und verdrängter Schuld in der repressiven ungarischen Gesellschaft der 1950er-Jahre. Eindringlich beobachtet es die Zerrissenheit eines Jungen zwischen Fantasie, Trotz und Orientierungslosigkeit.
Quelle: Filmdienst