Die 44. Mülheimer Theatertage NRW „KinderStücke 2019" finden vom 13. bis zum 17. Mai 2019 statt. Die Stücke starten am 11. Mai und enden am 1. Juni 2019.
Autor*innen, Verlage und Theater können per Mail ihre Uraufführungen melden und Stücktexte einreichen.

Wir freuen uns bereits jetzt auf das kommende Festival!

In einer feierlichen Matinee wurden die Preisträger*innen der 43. Mülheimer Theatertage NRW geehrt. Ulrich Scholten, Oberbürgermeister der Stadt Mülheim an der Ruhr, überreichte die Auszeichnungen an Thomas Köck und Oliver Schmaering. Elfriede Jelinek konnte leider nicht anwesend sein und schickte dem Publikum ihren Dank per Video.
 

Die Preisträger der 43. Mülheimer Theatertage Thomas Köck und Oliver Schmaering / Foto: Marie-Luise Eberhardt

Die Laudationes finden Sie hier. Und hier geht es zur Bildergalerie der Preisverleihung.

Oliver Schmaering wird für sein Stück In dir schläft ein Tier in der Inszenierung des Theater an der Parkaue, Junges Staatstheater Berlin (Regie: Hanna Müller) mit dem Mülheimer KinderStückePreis 2018 ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist.

 Oliver Schmaering / Foto: Marie-Luise Eberhardt

Wir gratulieren Oliver Schmaering herzlich zum KinderStückePreis 2018!

Die Juror*innen Oliver Bukowski, Silvia Stammen und Martina van Boxen hoben die komplexe Thematik hervor. Das Stück spiele auf faszinierend vielen Ebenen: auf der realistischen, der mystischen sowie der wissenschaftlichen. Die Forschung werde als künstlerischer Prozess beschrieben, der auch Chaos inkludiert und Spaß machen darf. Außerdem verweigere sich das Stück der Eindeutigkeit, was sich in der hohen Varianz der Sprache widerspiegle: „Das Stück ist auf eine sehr intelligente Weise lustig, es ist poetisch, sinnlich, sprachlich großartig.“ Die Auszeichnung wird in einer feierlichen Matinee für alle diesjährigen Mülheimer Preisträger*innen – voraussichtlich am 24. Juni 2018 – an den Autor übergeben.                                                                   

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Nach gut zwei Stunden steht der Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten Mülheimer KinderStücke-Preises fest: Die Juror*innen entscheiden sich für „In die schläft ein Tier“ von Oliver Schmaering. „Faszinierend“, „großartig“, „eine hohe Varianz an Sprache“, begründen sie ihr Urteil. Das fällt diesmal einstimmig aus und ist zum Ende der Diskussion auch wenig überraschend. Ein entgeistertes Raunen ging viel früher durchs Publikum, und zwar schon nach der ersten Entscheidungsrunde.

Da wählt jede*r Juror*in drei Stücke aus, die er*sie nicht in der engeren Auswahl sieht. Oliver Bukowski will eigentlich gar nicht anfangen, seine Auswahl zu offenbaren. Er hält es für eine strukturelle Ungerechtigkeit, da die Stücke „Dinge sind, die nicht vergleichbar“ seien, somit bleibe die Entscheidung immer ungerecht. Dennoch muss eine Wahl getroffen werden. Zwei Juror*innen waren sich in allen drei Stücken einig, ein Stück flog nur mit einer Zweidrittelmehrheit raus. Keine Chance mehr auf den Preis haben „Anfall und Ente“ von Sigrid Behrens, „Wie man die Zeit vertreibt“ von Simon Windisch und Ensemble und: Thilo Refferts „Mr. Handicap“. Die Jugend-Jury ist fassungslos. „Mr. Handicap“ hatten sie noch wenige Minuten zuvor als bestes Stück geehrt.

Inklusion der Mohrrüben

Neben der Erwachsenenjury vergibt auch die Jugend-Jury einen Preis, mittlerweile zum vierten Mal. In der Jury sitzen acht Mädchen und Jungen zwischen 12 und 17 Jahren. Vor dem Festival lernten sie in Workshops, ihr „Analysevermögen weiterzuentwickeln“, wie Festivalleiterin Stephanie Steinberg erklärt, und wurden somit zu jungen Expert*innen. Aber der Nachwuchsjury ist die Entscheidung nicht leichtgefallen. Für Thilo Refferts „Mr. Handicap“ spreche vor allem die thematische Relevanz, das Thema Inklusion werde „viel zu wenig angesprochen“. Auch konnten die Juror*innen mit den Figuren mitfühlen und finden die zahlreichen Wendungen des Stückes spannend. Insgesamt eine Geschichte, die „sehr

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Die Bühne erinnert an Fausts Studierzimmer: Ein Schreibtisch übersät mit Büchern und Reagenzgläsern, eine Leinwand, die auf den ersten Blick einen malerischen Sternenhimmel erscheinen lässt, auf den zweiten Blick aber die Nahaufnahme einer Zelle zeigt, im Hintergrund Gerätschaften, die den Steuerrädern alter Schiffe ähneln. Es sind große und kleinere Holzräder, an denen glühbirnenförmige Glasgefäße befestigt sind. Die Flüssigkeit darin schwappt leise, wenn sie gedreht werden. Doch all das liegt im Dunkeln, die fünf Personen mit Wolfsmasken über den Gesichtern in der Mitte der Bühne sind kaum zu erkennen. „Ihr Menschen, ach“, schallt dieser maskierte Chor. „Wir sind die Tiere in euren Träumen.“

Forschen nach dem Licht in der Dunkelheit

Die Wölfe sind nur eine der vielen Ebenen, durch die das Stück erzählt wird. Neben ihnen gibt es noch Ultima, „die Letzte“, das einzige kleine Mädchen, das noch nicht an Diphtherie gestorben, jedoch auch schon erkrankt ist. Außerdem sind da die beiden Wissenschaftler, Behring und Ehrlich, die ebenjenes Mädchen um jeden Preis retten wollen. Dafür müssen sie ein Mittel, einen Impfstoff gegen den „Würgeengel der Kinder“, die Diphtherie, finden. Die beiden Figuren hat sich Schmaering der Realität entliehen: Emil von Behring und Paul Ehrlich waren weltbekannte Forscher, die für die Erfindung des Impfstoffs gegen Diphtherie 1901 und 1908 je einen Medizin-Nobelpreis bekamen.

Sie arbeiten und forschen in diesem Studierzimmer, wälzen wortwörtlich Bücher über die Bühne, kippen bunte Flüssigkeiten zusammen, bis es dampft, unternehmen sogar gemeinsam eine Exkursion in den Dschungel und bilden durch ihre so unterschiedlichen Charaktere zwei bilderbuchhafte Gegensätze: Ehrlich entspannt, humorvoll und ausgeglichen, Behring ehrgeizig, verbissen und aufbrausend. Doch beiden setzt die intensive Forschung schließlich zu. Immer müder wirken sie, zerstreuter – wie all die Bücher, die sie fortlaufend kreuz und quer

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Es wird viel gelacht, zwischendurch sogar geschrien. Die Stimmung im Foyer des Theater an der Ruhr ist ausgelassen, aber konzentriert. „Kann man als Monster sehen?“ und „War das schwer, die Arme so zu halten?“ – in den Gesprächen nach den Inszenierungen der KinderStücke tauchen Fragen auf, die Erwachsene wohl kaum für fragenswert hielten. Oder sie würden sich nicht trauen, sie zu stellen. Beim jungen Publikum ist das anders. Dessen Fragen sind konkret, spontan, nah dran am echten Leben, unkompliziert allenfalls auf den ersten Blick.

Ab 2007 liefen Kinderstücke im Rahmenprogramm der Mülheimer Theater. 2010 wurden die „KinderStücke“ ein eigener Wettbewerb, inhaltlich und konzeptionell unterscheidet der sich kaum vom Erwachsenen-Wettbewerb. In diesem Jahr sind fünf Stücke in neun Aufführungen an fünf Tagen im Theater an der Ruhr und im Ringlokschuppen zu sehen. Heute geht es für dieses Jahr mit Oliver Schmaerings „In dir schläft ein Tier“ in die letzte Runde.

Auch während der Inszenierungen ist die Dynamik im Publikum eine ganz andere als im Erwachsenen-Theater. Zeigen die Schauspieler*innen auf einen Punkt außerhalb des Bühnenraums, drehen sich kollektiv die Köpfe. Auf laut gestellte Fragen gibt es laut gerufene Antworten. Schwierig für die Schauspieler*innen? Ganz im Gegenteil, sie kennen das und gehen damit souverän um. Rückmeldung wird entweder gekonnt übergangen oder spontan ins Spiel integriert. Und das wird nicht nur direkt mit Applaus, sondern auch mit lauten Zurufen und Fußstampfen belohnt.

Die Kinder und Jugendlichen sind kaum oder überhaupt nicht mit den gesellschaftlichen Konventionen eines Theatergangs vertraut. Aber Dank der Workshops mit Theaterpädagogin Lisa Hetzel sind viele besser vorbereitet als so mancher erwachsene Theatergänger. Denn sie kennen bereits das Thema des Stückes und haben sich im Vorfeld

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Als wir den Vorstellungssaal betreten, ist er schon erfüllt von sanften Klavierklängen. Diese Klänge fangen uns auch später wieder auf, als die letzten Verse von Christina Ketterings „Weiß ist keine Farbe“ gesprochen sind und wir Zuschauer*innen erstmal kurz Luft holen müssen. Eigentlich kann man sich dieses Theatererlebnis nur vorstellen, wenn man sich immer wieder eine sehr atmosphärische Musik ins Ohr ruft. Tatsächlich erfahren wir im Nachgespräch von Dramaturgin Maren van Severen, dass Regisseur Markolf Naujoks die Musik des Stücks selbst komponiert und geschrieben hat. Die besondere Musik in seinen Inszenierungen sei seine Handschrift.

Ein zweites Element sollten wir uns vor Augen rufen, um uns die Inszenierung vorstellen zu können, dieses Mal ein Bestandteil aus Marinas Stefans Bühnenbild. Eine große Projektionsfläche thront wie ein rundes Fenster, vielleicht auch wie ein Vollmond über der Bühne. Auf dieser Fläche erscheinen während der meisten Szenen schwarz-weiße Stadtlandschaften. Schwebende Häuserreihen versetzen uns einerseits an den Ort des Geschehens und deuten andererseits eine gewisse Realitätsferne an. Manchmal wird sogar der Kopf eines Tigers projiziert und bereitet uns auf gefährliche Momente vor. Unterhalb dieses Vollmondes sind mehrere Holzpodien in verschiedenen Höhen platziert, links am Bühnenrand steht ein Klavier.

Vor diesem Hintergrund stellen sich zunächst Lynn und Sophie (Mutter und Tochter), dann Anna und Berkay (die Nachbarskinder) vor. Ganz besonders die Stimme der achtjährigen Sophie (Nadja Duesterberg) sticht mit einer verwegenen Rauheit aus der Reihe hervor. Sie öffnet mit einem mysteriösen Prolog die Handlung, einem Prolog, der von Entführung und von Herrn Matheis Hund spricht.

Das Mysterium

Sophie und ihre Mutter Lynn (Davina Donaldson) sind gerade erst in die Siedlung gezogen. Von Beginn an rankt sich ein Mysterium um das Mutter-Tochter-Paar. Wenn die beiden sich unterhalten, geht eine

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„Mein Vater und ich, wir sagen ‚ikebana‘, wenn wir wollen, dass der andere absolut ehrlich ist, ohne Scheiß und Rumalberei“, erklärt Vincent (Kilian Ponert). Sein Vater und er albern häufig herum und sie benutzen „ikebana“ als Wort, um klarzustellen, dass es nun ernst gemeint ist und man die Wahrheit sagen soll. Und genauso wie die beiden verspricht auch dieses Stück, absolut ernst gemeint zu sein. Thilo Refferts „Mr. Handicap“ beschönigt nichts und übertreibt auch nicht.

Inhaltlich geht es in dem Text um Inklusion. Die wird aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Es wird gezeigt, wie schwierig Inklusion sein kann. Für alle Beteiligten. Da ist die erschöpfte Lehrerin Frau Kripke (Alessa Kordeck), die am Rande des Nervenzusammenbruchs steht. Sie weiß nicht, wie sie ihre ganzen Aufgaben erledigen soll. Dazu kommt die unbekannte Situation mit Vincent, der unter anderem steife Ellenbogengelenke sowie Synkopen hat und als Inklusionskind in eine normale Schule gehen soll. Dafür wurde extra die „I-Klasse“ eingerichtet. I wie Inklusion. Einfach ist das nicht.

Hannes (Jonathan Gyles) würde ihn am liebsten ignorieren, wird aber gezwungen, eine Woche lang sein Pate zu sein. Er beschwert sich über die Bevormundung Vincents, erkennt aber am Ende, dass man jede*n so annehmen sollte, wie er/sie ist und begreift, was es bedeutet, eine Behinderung zu haben. Oder Mary Lou (Maria Perlick), die schon viereinhalb Mal die Patin von Vincent war und ihn eigentlich immer verteidigt. Doch dass sie es nur wegen der „Pluspunkte in Arbeits- und Sozialverhalten“ macht, wird erst am Ende deutlich. Auch die Eltern sind hilflos. Hannes Mutter Nicole (Maëlle Giovanetti) will ihr Kind „sozial“ erziehen, kann ihm aber auch keine Ratschläge zur Inklusion geben und schaut deshalb lieber auf ihr Tablet. Vielleicht findet sich da ja eine Antwort. Vincents Vater Martin (Paul Jumin Hoffmann) liebt seinen Sohn, doch Vincents Wut und Widerwillen bereiten ihm Schweißtreiben. Er

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In Ihrem Stück „Weiß ist keine Farbe“ zieht Sophie mit ihrer Mutter in eine neue Wohnung. Ein Ereignis wirft sie aus der Bahn und sie verhält sich abwesend. Das bemerken auch die Nachbarskinder Anna und Berkay. Sophies Mutter hat außerdem eine andere Hautfarbe als Sophie, die weiß ist. Diese Geheimnisse wollen die beiden erforschen. Es geht um Vorurteile, Gerechtigkeit und die Frage nach der eigenen Identität. Gibt es noch weitere Themen in Ihrem Stück und welche sind für Sie die wichtigsten?

Christina Kettering: Es geht auch um Wut – oder besser gesagt: sehr starke Gefühle – und den Umgang damit. Das ist für mich eines der zentralen Themen.

Wie verändern sich der Zusammenhalt der Kinder und die Erwachsenen-Kind-Beziehung in Ihrem Stück, aber auch in der Gesellschaft?

Was hier auf mehreren Ebenen passiert, ist ein Vertrauensverlust. Sophie ist immer wieder Berkay und Anna gegenüber misstrauisch – sie hat das, was man „Ur-Vertrauen“ nennt, verloren. Auch das Vertrauensvolle der Mutter-Kind-Beziehung hat Brüche erhalten. Zugleich findet eine Polarisierung statt, Sophie radikalisiert sich. Die Erwachsenen in dem Stück verlieren schlagartig ihre Autorität. Ein eigentlich normaler Vorgang: Irgendwann erlebt das Kind seine Eltern „schwach“ – also menschlich, es merkt, dass sie keine unfehlbaren Helden sind und manchmal sogar, dass sie ihre Kinder nicht vor allem beschützen können. Sophie erfährt das in einer besonders drastischen Form, was bei ihr Hilflosigkeit und Wut auslöst. Außerdem fehlen beiden (noch) die Worte, darüber zu sprechen, das entfernt sie weiter voneinander. Da gibt es sicher gesellschaftliche Parallelen, es wird ja viel über den in den letzten Jahren stattgefundenen Vertrauensverlust gesprochen (in den Staat, die Politik, alte Sicherheiten, Medien, aber auch auf freundschaftlicher oder familiärer Ebene). Die Debatten haben eine starke Polarisierung erfahren, eine

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Es ist dunkel im Zuschauerraum, auf der Bühne spendet eine einzelne Glühbirne schwaches Licht. Es gibt aber auch nicht viel zu sehen. Nur grauen Teppichboden, eine graue Teppichwand und davor Claudia (Constanze Rückert), in ihrem gestreiften Lieblingsschlafanzug, die uns erklärt, weshalb sie dort wartet. „Hallo“, beginnt sie. „Ich bin Claudia 8. Also ich bin 8 Jahre alt“, was das junge Publikum direkt als Lüge enttarnt.

Doch die jungen Zuschauer*innen sind nicht nachtragend. Im Gegenteil – das Ensemble vom Theater an der Rott schafft es unter Regieführung des Autors Simon Windisch, die Kinder bereits zu Beginn abzuholen und entlockt ihnen bis zum Ende viele Lacher, gut gemeinte Ratschläge an die Figuren, Schreie und immer wieder aufmerksame Stille. Das Stück „Wie man die Zeit vertreibt“ handelt vom Kampf gegen die Langeweile, wenn man warten muss, und dieser Kampf wird hier ganz klar gewonnen.

Ein Loch in der Wand

Es ist 8.45 Uhr, wie die große erleuchtete Uhr verkündet. Aus dem Off der Küche sind Mama, Papa und Oma zu hören, doch erst um 9.00 Uhr darf Claudia zu ihnen herein. Sie weiß nicht warum, aber bitten hilft nicht. Und die Zeit will einfach nicht vergehen. Schließlich starrt das Mädchen so konzentriert an die Wand, dass dort eine Öffnung auftaucht und sich schnell als Portal entpuppt. Daraus hervor kommen drei weitere Claudias im gestreiften Lieblingsschlafanzug. Plötzlich ist Claudia blond (Johanna Martin), hat einen dunklen Bart (Max Gnant) und gleichzeitig einen blonden Bart (Martin Puhl). Es herrscht einige Verwirrung, wer denn nun Claudia ist. Und wo befindet sich Claudia überhaupt? In einem Zeitloch, einer Zeitschlaufe oder doch in einer Zeitbrezel?

Schnell erkennen sich die vier als verschiedene Charakterzüge derselben Claudia und amüsieren sich köstlich miteinander. Ein paar Bälle reichen, um zu zeigen, wie viel mehr Spaß gemeinsames Spielen macht. Trotz banaler Ausdrucksweise wirkt die dynamische

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Endlich sitzen alle mit für die Lehrer*innen vertretbarer Ruhe auf ihren Plätzen im Mülheimer Theater an der Ruhr und blicken gespannt nach vorn. Ein hoher Bogen aus blauem Wellblech, eine kaputte Schallplatte, Auto- und Fahrrradreifen: Die Bühne von Marie Labsch steht für ein Kinderparadies, in dem nichts teuer sein muss, nichts neu, nichts ganz. Wir sehen das Kinderparadies, das genau so im Kopf von Ente (Jana Alexia Rödiger) und Anfall (Sebastian Haase) existiert.

Ente ist schreckhaft, schüchtern, ein bisschen humorlos. Anfall hämmert Wellblech und trägt Schweißerbrille. „Fünfzighunderttrilliardenunendlich“, sagt er und der Saal lacht. Mit ihrer Sprache voller Fantasieworte und Lautmalerei trifft Sigrid Behrens den Nerv der Kinder. Der Inszenierung von Ingo Putz gelingt es, dass sie dieser außergewöhnlichen Sprache ihren Raum lässt, die Lust zur Assoziation eher anregt als unterbindet.

Dann ist Entes Kuscheltier plötzlich weg, der liebe Hundi, um den sie sich die ganze Zeit gekümmert hat und auf den Anfall schon so argwöhnisch schielte. Nach einem kurzen Hin-und-Her von Anschuldigungen lädt Anfall Ente zu einer Reise ein. Ente hüpft mit angewinkelten Armen sehr entig in die Rakete, wird noch mit einem kaputten Fußball als Hut ausgestattet und los geht’s. Die Grenzen zum Objekttheater lösen sich auf, wenn Ente und ihr Begleiter all die Freunde Anfalls treffen, die – so wird langsam klar – nur in seinem Kopf existieren. Freund Kissenschlacht (eine alte Matratze) schnappt Anfall (der sie steuert), und Ente knabbert an Freund Pfannkuchen (der Sonnenschirm, den sie hält). Das Interessante an dieser Ausstattung ist, dass sie für eine erwachsene Zuschauerin die Kindheit symbolisiert, in der kleine Sachen ausreichen, um einen Nachmittag lang an den Nordpol zu reisen – dann ist der Pinguin ein Kühlschrank mit Megaphon und Freund Trüddelschmopf der Lichtsstrahl einer Taschenlampe oder eine Stimme aus dem Radio – während sie für Kinder gar nichts

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Heute wurden die KinderStücke 2018 mit "Anfall und Ente" von Sigrid Behrens eröffnet. Das Junge Theater Konstanz war mit der Inszenierung zu Gast im Theater an der Ruhr. Bis Freitag folgen noch vier weitere Kinderstücke. Zum Spielplan geht's hier


Lisa Hetzel (Theaterpädagogin KinderStücke), Ingo Putz (Regiesseur), Sigrid Behrens (Autorin) und Stephanie Dreher (Theaterpädagogin Junges Theater Konstanz) im Gespräch mit den Schüler*innen

 

 

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Die diesjährigen KinderStück starten am Montag, dem 14. Mai, mit Anfall und Ente in der Inszenierung des Jungen Theater Konstanz für Zuschauer ab 6 Jahren. Das Werk von Sigrid Behrens ist das erste von insgesamt fünf Stücken, das ins Rennen um den Mülheimer KinderStückePreis geht.

 

 

Zum gesamten Spielplan der KinderStücke

Tickets zu den KinderStücken (Extern)

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Die Jury für den Mülheimer KinderStückePreis 2018 bilden Oliver Bukowski, Silvia Stammen und Martina van Boxen. Sie werden im Anschluss an die letzte Vorstellung der „KinderStücke“ am Freitag, dem 18. Mai, ab ca. 12.30 Uhr im Foyer des Theater an der Ruhr über die Vergabe des mit 10.000 Euro dotierten Preises entscheiden. Die Debatte ist auch in diesem Jahr öffentlich - Interessierte sind herzlich willkommen.

Der Spielplan der KinderStücke 2018 steht fest.

Alle Termine und Informationen zu den Stücken und Autor*innen finden Sie hier.

Schulklassen können sich ab Montag, dem 19. März anmelden.
Der Vorverkauf für alle anderen startet am Donnerstag, 22. März.

 

Auf der Pressekonferenz am 20. Februar gaben die beiden Sprecher der Auswahlgremien die Nominierungen der Stücke 2018 und KinderStücke 2018 bekannt.
 

Pressekonferenz der 43. Mülheimer Theatertage NRW / Foto: Marie Eberhardt

Von links nach rechts: Oliver Bukowski, Sprecher des Auswahlgremiums der KinderStücke 2018 / Jürgen Berger, Sprecher des Auswahlgremiums der Stücke 2018 / Stephanie Steinberg, Festivalleiterin

Hier geht's zur Bildergalerie der Pressekonferenz.

Wir gratulieren allen eigeladenen Autor*innen und Theatern!

 

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