Die Krise dauert noch immer an - Was wir jetzt für uns tun können!

Die Coronavirus-Pandemie begleitet uns alle nun schon seit vielen Monaten. Noch vor einem Jahr wäre unvorstellbar gewesen, in was für einer Situation wir uns aktuell befinden. So vieles hat sich verändert. Wir befinden uns nach wie vor in einer Krise. Einschränkungen, Entbehrungen, Sorgen, Ängste und Verärgerung gehören dazu. Mit diesem neuen Merkblatt (veröffentlicht im Oktober 2020) möchten wir zehn Anregungen geben, die bei der Alltagsbewältigung hilfreich sein können. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um die folgenden Informationen aufmerksam und ganz in Ruhe zu lesen. Wählen Sie auch gerne aus und greifen Sie nur das auf, was Ihnen persönlich nützlich erscheint – Sie können das selbst am besten entscheiden!
 

1. Akzeptieren Sie die Situation!
2. Bleiben Sie besonnen und „wachsam gelassen“!
3. Bleiben Sie informiert!
4. Haben Sie Geduld und Verständnis!
5. Konzentrieren Sie sich auf das, was weiterhin möglich ist!
6. Tauschen Sie sich mit anderen Menschen aus und bleiben Sie aktiv!
7. Pflegen Sie weiterhin Ihre sozialen Kontakte!
8. Tun Sie etwas Angenehmes für sich selbst und bereiten Sie auch anderen Menschen eine Freude!
9. Suchen Sie Sinn, lernen Sie auch aus der Krise!

 

1. Akzeptieren Sie die Situation!
Die Krise ist definitiv nicht schön. Sie ist unbefriedigend, bedrückend und „nervt“! Wir können im Moment zwar einiges tun, um ihr entgegenzuwirken – aber dennoch wird uns „Corona“ wohl noch einige Zeit begleiten. Schon von daher müssen wir lernen, diese Situation zu akzeptieren: Wir müssen in und mit der Krise leben.
 

2. Bleiben Sie besonnen und „wachsam gelassen“!
Die sich derzeit zuspitzende Krise verunsichert zunehmend. Sie wirft auch Fragen auf, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Es ist tatsächlich eine schwierige Situation! Nehmen Sie sich vor diesem Hintergrund ganz gezielt „Auszeiten“, um innerlich zur Ruhe zu kommen. Einfache Achtsamkeits- und Entspannungsübungen können hilfreich sein. Dazu finden sich viele Anregungen im Internet. Lenken Sie sich selbst auch ganz gezielt ab, konzentrieren Sie
sich beispielsweise auf ein Hörbuch, einen interessanten Film oder lesen Sie etwas, das nichts mit der Corona-Krise zu tun hat. Dies trägt dazu bei, dass Sie auch auf andere Gedanken kommen.
Führen Sie sich außerdem immer wieder vor Augen, dass es auch angesichts der momentanen Lageentwicklung „keinen Grund zur Panik“ gibt. Zweifellos sind wir alle im Moment besonders gefordert. Wir müssen einige besondere Regeln beachten. Es herrscht aber kein Krieg! Unsere Gesellschaft bricht auch nicht zusammen. Der Alltag geht weiter – auch wenn er sehr verändert ist. Daher ist „wachsame Gelassenheit“ angebracht.
 

3. Bleiben Sie informiert!
Seit Monaten werden wir täglich mit sehr vielen Nachrichten zur Coronavirus-Pandemie konfrontiert. Insofern ist es auch verständlich, wenn sich eine gewisse „Medienmüdigkeit“ eingestellt haben sollte. Es ist auch gut und richtig so, den eigenen Medienkonsum sorgfältig zu dosieren: Schützen Sie sich vor zu vielen Informationen, vor einer „Informationsüberflutung“. Aber: Bleiben Sie dennoch auf dem Laufenden! Wählen Sie zum Beispiel einzelne Medien aus, über die Sie sich regelmäßig informieren. Und achten Sie darauf, dass Sie Ihre Informationen nur aus seriösen, ernst zu nehmenden Quellen beziehen. Vertrauen Sie auf den Rat derjenigen Menschen und Institutionen, die tatsächlich über die erforderliche Expertise verfügen. Ordnen Sie private Meinungsäußerungen im Vergleich zu offiziellen Stellungnahmen angemessen ein.
 

4. Haben Sie Geduld und Verständnis!
Alle zuständigen Institutionen und Fachkräfte tun im Augenblick, was sie können. Viele arbeiten an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Und doch kann in einer solchen Krise nicht immer alles perfekt funktionieren: Die CoronavirusPandemie ist einzigartig, für alle Beteiligten eine völlig neue Erfahrung – und die Auswirkungen der Krise sind hoch komplex. Deshalb sollte jeder einzelne – in einem gewissen Rahmen – Geduld und Verständnis haben: Für andere Menschen, die vielleicht anders reagieren als man selbst. Für Regelungen, die auf den ersten Blick unverständlich
erscheinen oder sich in Details vielleicht sogar widersprechen können. Für manche Gereiztheit, Unfreundlichkeit, Aufregung und Empörung – auch wenn Sie selbst womöglich gar keine Einschränkungen erleben: Das Krisenerleben ist individuell sehr unterschiedlich. Jeder einzelne muss erst lernen, angemessen mit dieser Situation umzugehen. Das braucht einfach seine Zeit.
 

5. Konzentrieren Sie sich auf das, was weiterhin möglich ist!
Überwiegend berichtet wird darüber, was durch neue Schutzvorschriften untersagt und verhindert wird. Mitunter führt dies aber zu einer problematischen Wahrnehmung der Gesamtsituation: Je negativer Sie selbst eine Situation bewerten, umso schlechter geht es Ihnen auch! Machen Sie sich daher deutlich, dass sicherlich nicht alles schlecht und aussichtslos ist. Betrachten Sie ihre Situation möglichst differenziert, und erfreuen Sie sich auch an positiven „Kleinigkeiten“. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf das, was derzeit alles nicht mehr geht. Achten Sie
stattdessen auf das, was weiterhin möglich ist: Verabredungen mit wenigen Personen, Spaziergänge, Ausflüge in die Natur und viele weitere Aktivitäten ebenfalls! Dass es zweifellos sehr viele Einschränkungen gibt, liegt auf der Hand. Fragen Sie sich dennoch stets: Was lässt sich machen? – Und ärgern Sie sich nicht so sehr darüber, was (vorübergehend!) nun einmal nicht realisierbar ist.

6. Tauschen Sie sich mit anderen Menschen aus und bleiben Sie aktiv!
Sprechen Sie mit anderen Menschen offen darüber, was Sie beschäftigt und bewegt. Vieles wird klarer, wenn man es erst einmal in Worte gefasst hat: Gedanken „reifen“ oftmals erst beim Sprechen. Überlegen Sie außerdem, welchen Beitrag Sie vielleicht auch selbst zur Krisenbewältigung leisten könnten. Üben Sie gerne auch konstruktive Kritik, wenn Sie mit bestimmten Regelungen der Corona-Schutzverordnung nicht einverstanden sein sollten: Bringen Sie sich als mündiger, aufgeklärter Bürger ein und liefern Sie Argumente. Melden Sie sich jederzeit, wenn Sie Ideen und Anregungen für das (kommunale) Krisenmanagement haben. Fragen Sie auch nach, wenn Sie eine Regelung nicht verstehen, wenn Sie Zweifel oder eine besondere Sorge haben. Wenden Sie sich an das Bürgertelefon der Stadtverwaltung oder schreiben Sie eine Mail an psychKM@muelheim-ruhr.de!
 

7. Pflegen Sie weiterhin Ihre sozialen Kontakte!
Krisen steht man am besten gemeinsam mit anderen Menschen durch; soziale Kontakte sind daher jetzt besonders wichtig. Seien Sie füreinander da! Machen Sie sich gegenseitig Mut und spenden Sie einander Trost. Informieren Sie Ihr Umfeld: Über Ihren veränderten Alltag, darüber, was Sie traurig macht oder auch verärgert hat. Frischen Sie gemeinsame, schöne Erinnerungen auf! Außerdem ist ganz wichtig: Halten Sie Menschen, die im Moment besonders eingeschränkt sind, die – warum auch immer – vielleicht keinen Besuch empfangen können oder sich nicht verabreden können, zumindest telefonisch auf dem Laufenden. Sorgen Sie selbst dafür, dass niemand „den Anschluss verliert und sich ausgegrenzt fühlt“!
 

8. Tun Sie etwas Angenehmes für sich selbst und bereiten Sie auch anderen Menschen eine Freude!
In schwierigen Zeiten braucht jeder Mensch Trost und eine Aufmunterung. Ein positives Signal; etwas Erfreuliches. Gönnen Sie sich und anderen Menschen in Ihrem Umfeld etwas, das Sie sich bisher vielleicht schon lange gewünscht
haben: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür! Hören Sie bewusst ihre Lieblingsmusik, gehen Sie einem vertrauten Hobby nach. Schenken Sie Menschen in Ihrem Umfeld eine Kleinigkeit. Dabei geht es nicht um einen materiellen Wert, sondern um die positive Geste an sich: Auch solche Aktivitäten tragen ganz wesentlich zum persönlichen Wohlbefinden bei!
 

9. Suchen Sie Sinn, lernen Sie auch aus der Krise!
Krisenerfahrungen führen oftmals dazu, dass man sich Fragen stellt, über die man früher nicht nachgedacht hat. Sinnfragen brechen auf. Fragen nach dem, was wirklich wichtig ist. Was eigentlich Halt gibt im Leben. Wofür man etwas tut. Und wie es weitergeht. Manchmal gehen solche Fragestellungen in kreisende Gedanken über, die bedrücken und beunruhigen können. In jeder Krise liegt aber auch eine Chance: Überlegen Sie, was sich für Sie persönlich zum Guten wenden könnte? Welche neuen Erkenntnisse bringt Ihnen diese besondere Zeit? Und gibt es womöglich etwas, das Sie aus der aktuellen Situation lernen können? Notieren Sie sich ihre Gedanken dazu und sprechen Sie wiederum mit anderen Menschen darüber.
 

10. Nehmen Sie bei Bedarf Hilfe in Anspruch und achten Sie auf andere Menschen, die Hilfe benötigen!
Mit der Krise zurecht zu kommen, fällt vielen Menschen schwer; einige werden mit der Situation auch überfordert sein. Wenn Sie selbst merken sollten, dass Ihnen sprichwörtlich „die Decke auf den Kopf fällt“, nehmen Sie Hilfe in Anspruch! Wenden können Sie sich zum Beispiel (kostenlos!) an folgende Einrichtungen:

  • Telefonseelsorge: Telefon: 0800 – 111 0 111 oder 0800 – 111 0 222 (rund um die Uhr erreichbar)
  • Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111 (http://www.nummergegenkummer.de)
  • Elterntelefon: 0800 – 111 0 550 (http://www.nummergegenkummer.de/elterntelefon.html)

Weitere Kontaktanschriften, Hilfehinweise, Tipps und Anregungen finden Sie hier.

Beachten Sie insbesondere auch die Corona-Bürgerbroschüre, die ebenfalls in zahlreichen Mülheimer Geschäften ausgelegt ist. Wenn Sie den Eindruck haben sollten, dass jemand aus Ihrem Umfeld in einer besonderen Notlage sein könnte, scheuen Sie bitte nicht, professionelle Hilfeanbieterinnen und -anbieter darauf hinzuweisen. In akuten Notfällen wenden Sie sich jederzeit an die Leitstellen der Feuerwehr beziehungsweise des Rettungsdienstes (Notruf 112) und der Polizei (Notruf 110).

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